Justizvollzugsanstalt Hamm:  Historie

 

Historie

Vom Kloster zur Haftanstalt
Justizvollzugsanstalt Hamm

Die Justizvollzugsanstalt Hamm steht seit dem Jahre 1930 im Zentrum der Stadt in der Bismarckstraße in unmittelbarer Nachbarschaft von Amtsgericht, Agentur für Arbeit, Finanzamt, Polizeipräsidium und Rathaus.


Eingang zum "Preussischen Gefängnis" an der Franziskanerstraße

Die Geschichte des Gefängniswesens in der Stadtgeschichte ist allerdings erheblich älter. So entstand schon zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert in dem Gemäuer eines zur Stadtbefestigung gehörenden Gefängnisturms auf dem Ostenwall eine sogenannte „Diebesbastion“. Die erste „Strafanstalt“ der Stadt befand sich an der Franziskanerstraße / Ecke Nordenwall gegenüber der Agnes-Kirche. Ihre alten Hauptgebäude waren Teile eines im 15. Jahrhundert erbauten Franziskanerklosters. Nach Auflösung des Klosters im Jahre 1824 wurde das Gebäude 1825 auf Weisung König Friedrich-Wilhelms III. von Preußen der Justizverwaltung zur Errichtung eines Gefängnisses überlassen. Hierfür wurde eine Summe von 16.880 Talern bewilligt. Bereits 1826 konnte es fertiggestellt und als solches genutzt werden.
Im Jahre 1840 waren dort 30 Gefangene untergebracht. Der Bevölkerungszuwachs und gleichzeitig steigende Gefangenenzahlen erforderten bald einen großzügigen Anbau. Von 1856 bis 1859 entstand im Anschluss an den alten Gebäudekomplex ein mehrstöckiges Gefängnisgebäude mit einem Männer- und einem Frauentrakt. Das Gefängnis für männliche und weibliche Gefängnishaftgefangene und Untersuchungsgefangene konnte nach der Erweiterung insgesamt 370 Männer und 5 Frauen aufnehmen.


Stärkefabrik Hundhausen Quelle: Gustav-Lübcke-Museum Hamm

Im Laufe der Jahrzehnte verwahrlosten die alten Gebäude zusehends. Schließlich genügten sie den Ansprüchen an die Unterbringung von Inhaftierten nicht mehr. Der Staat nutzte die Periode zwischen Inflation und Wirtschaftskrise für einen Neubau des Amtsgerichts und des damaligen Amtsgerichtsgefängnisses auf dem Gelände einer vor dem ersten Weltkrieg in den Hafenbezirk verlegten Stärkefabrik an der Ecke Bismarckstraße/Borbergstraße. So wurde dort im Jahr 1924 mit dem Bau des Amtsgerichts mit jeweils konturierenden Seitenflügeln begonnen. An diesen Flügeln und mit der Baumasse in die Grundstückstiefe zurückgesetzt, entstand ein offener Hofbereich zur Bismarckstraße, wo das Amtsgerichtsgefängnis architektonisch im gleichen Stil errichtet wurde. Die Inbetriebnahme erfolgte zunächst nach Fertigstellung im Jahre 1930 als Untersuchungsgefängnis für männliche und weibliche Gefangene.

Die alte Anstalt an der Franziskanerstraße / Ecke Nordenwall wurde während des zweiten Weltkrieges völlig zerstört.


Westflügel des ausgebauten Dachgeschosses

Von der Haftanstalt zur Justizvollzugsanstalt Hamm bis heute

Aufgrund des steigenden Bedarfs an Hafträumen wurde die Anstalt mehrfach baulich erweitert. Nach dem Ausbau des Dachgeschosses zum 30.06.1966 standen 200 Haftplätze für Männer und 9 Haftplätze für Frauen zur Verfügung. 1972 kam ein Mehrzweckraum und 1975 eine Arbeitshalle hinzu. Das Amtsgerichtsgefängnis Hamm wurde 18 Jahre später als „Haftanstalt Hamm“ in eine selbständige Vollzugsanstalt umgewandelt. Seit dem Jahre 1970 führt sie den Namen „Justizvollzugsanstalt Hamm“.


Kochtöpfe der anderen Dimension - 1994

Im Rahmen eines Sonderprogramms wurden zwischen 1994 und 2010 über 10 Millionen Euro in die Justizvollzugsanstalt Hamm investiert. Begonnen hat die Grundsanierung im Januar 1994 mit der kompletten Elektroinstallation sowie der Installation der Kommunikationsanlage und der Rundfunkanlage im Hafhaus. Im selben Jahr begannen die Renovierungsarbeiten der „alten Anstaltsküche“. Die Gefängnisküche, die seit 1929 keine nennenswerten Neuerungsarbeiten erfahren hatte, brachte eine lange Liste zusätzlicher Renovierungsarbeiten mit sich. Um den neuen Küchenbereich mit ausreichend Energie versorgen zu können, waren Kompletterneuerungen des Heizungs- und des Belüftungssystems und Errichtung einer Trafo-Station erforderlich.

Der Westflügel wurde im Jahre 1998 aufgestockt und erweitert. Der Sozialdienst, der psychologische Dienst, die Kammer, der Krankenpflegedienst, ein Mehrzweckraum, der Kirchenraum sowie die Kantine konnten hier neu angesiedelt werden. Im Frühjahr 2000 wurde die Kantine erstmals in Betrieb genommen.


Kirchenraum 1966 und nach der Modernisierung im Jahre 2005

2002 wurde mit dem Neubau der Betriebe am Südflügel begonnen. Der ehemalige Betrieb auf der Abteilung „A“ bot für die Gefangenen lange Zeit die einzige Beschäftigungsmöglichkeit. Nach der Modernisierung im Jahre 2004 entstanden neue Betriebsräume auf vier Ebenen. Zwei Lagerräume komplettieren den Anbau. Bis zu 60 Gefangene können fortan in modern ausgestatteten und eingerichteten Betrieben einer Arbeit nachgehen.

Die Abteilungsbüros wurden 2001 komplett neu gebaut und eingerichtet. Anfang 2002 konnte die Waffenkammer saniert werden.

Zwischen 1998 und 2004 wurde der Besuchsbereich grundsaniert und baulich dem hohen Sicherheitsstandard angepasst. Im Mai 2004 konnte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) den Besuchsbereich zur Nutzung übergeben.

Zeitgleich zum Besuchsbereich wurde der ehemalige Sportraum, welcher ursprünglich 1988 aus dem alten Kirchenraum entstanden war, modernisiert. Nach Beendigung der Umbau- und Modernisierungsarbeiten im Jahre 2005 standen so zwei getrennte Sportbereiche mit einer Sporthalle und einem Fitnessraum zur Verfügung. An sieben Tagen in der Woche können sich die Gefangenen dort sportlich betätigen.

Der Innenhof der Anstalt dient nicht nur als Freistundenhof. An drei Tagen in der Woche parken dort die Umläufe der anderen Transportbehörden in der Mittagszeit. Mitte 2005 wurde der Innenhof komplett neu gepflastert sowie Schleuse und die Sicherheitspforte dem hohen Sicherheitsstandard angepasst.



 

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